Interkommunale Zusammenarbeit zum Thema Gesundheit

Yoga oder Pilates ist schön und gut. Für Roland Sommer, Personalratsvorsitzenden der Stadt Marktredwitz ist das aber nicht genug. Zusammen mit seinem Chef, Oberbürgermeister Oliver Weigel, liegt ihm die Gesundheitsförderung der rund 200 Mitarbeiter der Stadt Marktredwitz am Herzen. „Deshalb haben wir nach einem professionellen, aber frei nutzbarem Angebot gesucht.“ Bei einem Gespräch mit Sabine Schelter, der Leiterin des Individuellen Gesundheits-Managements (IGM) des Heilbades Bad Alexandersbad, ist die Idee entstanden: Die Stadt Marktredwitz und Bad Alexandersbad werden in Zukunft in der Gesundheitsförderung kooperieren. „Wir hatten bisher ab und an Yoga-Kurse oder auch mal Pilates für Männer für unsere Mitarbeiter im Programm, aber das ist eben nicht für jeden etwas“, sagte Sommer bei einem Pressegespräch.

Mit dem riesigen Angebot der Nachbarkommune ändert sich nun alles: „Unsere Mitarbeiter können in Zukunft zu günstigen Konditionen das Fitnessstudio im Alexbad ebenso nutzen wie den Sauna- oder Badebreich“, sagt Oberbürgermeister Oliver Weigel. Pro Monat erhalten die Mitarbeiter je zwei Bonuskarten im Wert von jeweils vier Euro, die sie bei einem Besuch im Alexbad einlösen
können. Dass nun alle 200 Beschäftigten das Angebot nutzen, glaubt Weigel nicht. „Niemand muss, aber jeder darf. Denn wir als Stadt fordern von unseren Mitarbeitern viel und wollen daher auch etwas zurückgeben. Die Investition in die Gesundheit bringt beiden Seiten am meisten.“

Das sieht Weigels Bad Alexandersbader Amtskollege Peter Berek ebenso. „Gesundheit ist unsere Kompetenz, da sind wir stark. Warum sollten wir sie dann nicht anderen Kommunen anbieten?“ Im Gegenzug sei das Heilbad immer bereit, mit anderen Städten und Gemeinden zusammenzuarbeiten und deren Kompetenzen in Anspruch zu nehmen. „Nur wenn wir in der Region kooperieren,
wird letztlich ein Schuh draus.“ Was mit Marktredwitz hervorragend klappt, wünscht sich der Bürgermeister im großen Stil. So seien die Chefs der großen Heilbäder aus Niederbayern kürzlich bei einem Besuch erstaunt gewesen, dass Bad Alexandersbad als kleiner Ort den Betrieb komplett allein stemmen müsse. „In anderen Bädern ist die gesamte Region beteiligt, das eröffnet natürlich noch mehr Möglichkeiten.“

Jammern ist die Sache von Berek und Weigel aber nicht. Wie sie sagen, packen sie lieber an und gehen den ersten Schritt voran. „Es ist toll, dass mit Marktredwitz die größte und derzeit stärkste Stadt in der Region als erste im Landkreis in der Gesundheitsförderung mit uns kooperiert.“ Oliver Weigel kündigte bei dem Gespräch am Montagvormittag noch weitere Kooperationen mit
dem Heilbad an. „Da ist vieles denkbar. Jetzt kommt es aber zunächst darauf an, dass unsere Mitarbeiter das Angebot nutzen.“ Roland Sommer ist davon überzeugt, dass viele seiner Kollegen die Einrichtungen im Alexbad ausprobieren.

Dass dies schon einige tun, haben Weigel, Sommer und Berek bei einem kurzen Rundgang gesehen. Kaum betraten sie den Raum, winkte ihnen eine Mitarbeiterin der Marktredwitzer Stadtverwaltung zu, die sich an ihrem freien Tag in angenehmer Badeatmosphäre erholte. Für Roland Sommer, der auch Vorsitzender des Ortsvereins Fichtelgebirge der Gewerkschaft Verdi ist, hat
die Kooperation noch einen anderen Hintergrund. „Der öffentliche Dienst muss wieder attraktiver für die Menschen werden. Und deshalb ist auch die Gesundheitsförderung wichtig. Wer sonst außer den öffentlichen Arbeitgebern sollte hier die Initiative ergreifen?“ Dass die Bad Alexandersbader Experten in Sachen Gesundheit sind, wissen zum Beispiel die Verantwortlichen
des Marktredwitzer Unternehmens RHI und die der Stadt Waldershof. Sowohl die Mitarbeiter im Betrieb als auch in der Kommune nutzen das Angebot des Individuellen Gesundheitsmanagements. „Sie sind von den vielen guten Effekten begeistert“, sagt Berek.

 

Matthias Bäumler, Frankenpost Sechsämterbote Wunsiedel, Nr. 146, 26.06.2018